Die Wohnexpertin | Mehr Leben in allen Räumen - Wie Wohnzonen entstehen
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Wohnzonen

Mehr Leben in allen Räumen - Wie Wohnzonen entstehen

08 Nov Wohnzonen

Köln/Oldenburg. Vorne hui, von hinten aber leider nur eine Pressspanplatte oder ein schlichter Stoffbezug? Diese Zeiten sind vorbei.

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Durch das Zusam­men­wach­sen der Räume wird es in der Küche und im Ess­bereich sicht­bar wohn­licher.

Sich nur von einer Schokoladenseite zeigen zu können, reicht für die neuen Möbel nicht mehr aus.

Denn laut den Trendexperten verschmelzen die einzelnen Zimmer immer häufiger zu großzügigen Wohnzonen. Vor allem Sofas und Regale stehen deshalb nicht mehr unbedingt an der Wand, sondern oft frei im Raum. Aber auch für andere Möbel hat die aktuelle Entwicklung Folgen.

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Durch den Ver­zicht auf Rück- und Seitenwände werden Regale von allen Seiten nutzbar und lassen sich bei Bedarf zu einer Art Wohn­wand erwei­tern.

«Alle Möbel passen überall hin», formuliert es der Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef. Ausgelöst wurde die neue Flexibilität durch den Trend zum Loft. Zwar wohnen nur wenige Menschen tatsächlich in alten Fabrik- oder Büroetagen ohne störende Zwischenwände. Doch viele Möbelhersteller inszenieren ihre Entwürfe am liebsten in einem derartigen Ambiente.

Diesem Look würde der Normalverbraucher gerne nacheifern. Doch die Realität hält dem Wunschbild nicht immer stand, denn Platz sei rar und teuer, heißt es bei der Kölnmesse, dem Veranstalter der Möbelmesse «imm cologne». In herkömmlichen Häusern und Wohnungen müsse deshalb durch eine Umstrukturierung des Platzangebots der Eindruck der Großzügigkeit erzielt werden. Im Klartext: Tote Winkel und nur selten genutzte Bereiche sind ein Auslaufmodell.

Wir wollen ein wirkliches Leben in allen Räumen», erklärt die Inneneinrichtungsexpertin Katharina Semling aus Oldenburg. Wenn schon kein Loft, dann sollen zumindest im Reihenhaus die Mauern zwischen Küche, Ess- und Wohnzimmer fallen, damit ein offener Wohnbereich entsteht.

Entsprechend verändert sich die Einrichtung. So wird die klassische Einbauzeile beispielsweise um Kochinseln erweitert, an denen mehrere Menschen gleichzeitig in den Töpfen rühren können.

Ebenfalls im Trend seien Sitzbänke für den Küchenbereich. Die hätten aber nichts zu tun mit dem altbekannten Eckbank-Ensemble. «Das sind jetzt ganz edle Teile, zum Beispiel aus Vollholz und Leder.» Ein Beispiel dafür ist die minimalistische Sitzbank «Foster 510» vom Unternehmen Walter Knoll aus Herrenberg in Baden-Württemberg, bei der feines Leder und ein filigranes Stahlgestell aufeinandertreffen. Für «Quant» von Cor aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen werden dagegen Hölzer wie Nussbaum, Kirsche oder Eiche mit dicken Polstern im Retro-Look kombiniert.

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Freistehende Kochin­seln sind typisch für die neuen, offen gestal­teten Küchen.

Bei den Tischen ist Funktion wichtig. Typisch sind die Entwürfe von Team 7 aus Österreich: Dunkle Hölzer, puristische Linien und große Formate. Für kleinere Räume haben so gut wie alle Hersteller mittlerweile Tische im Programm, die durch Ausklappen, -schwenken oder -ziehen ihre Maße vergrößern können.

Wenn Mauern im Haus fallen, heißt das zugleich: Es gibt weniger Stellplatz an der Wand. Deshalb müssen die neuen Möbel auch von hinten gut aussehen. «Stand ein Sofa bisher an der Wand, steht es heute offen und frei im Raum und ist gern zumindest teilweise drehbar und damit in jeder Raumrichtung nutzbar», heißt es beim VDM.

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Immer häufiger findet das ganze Leben in einem Raum statt – Möbel sorgen dann für eine Glie­derung in ver­schie­dene Berei­che.

Um den Räumen dann aber Struktur verleihen zu können, sind Nischen nötig. Das sieht zum Beispiel der israelisch-französische Designer Arik Levy derzeit als eine der großen Herausforderungen im Möbelbereich. «Durch die neue, offene Architektur ist die Notwendigkeit da, neue Typen des Raumteilers zu entwerfen», sagt er. «SH05 Arie» lautet der Name seines Lösungsvorschlags, den er für e15 aus Oberursel entworfen hat. Hinter der nüchternen Ziffern- und Buchstaben-Kombination verbirgt sich ein Regal, das ohne Rück- und Seitenwände auskommt und so von allen Seiten benutzt werden kann.

Außerdem ist es im Prinzip unendlich erweiterbar – werden viele Elemente aneinandergefügt, gliedert das Regal fast wie eine Wand den Raum. Und das sei gerade in Zeiten der loftartigen Architektur wichtig, sagt Levy. Denn die Räume hätten sich zwar verändert – die Menschen mit ihrem Bedürfnis für Rückzugsecken jedoch nicht. Das Schlafzimmer als private Wellness-Oase Während Koch-, Ess- und Wohnbereich zu einer öffentlichen Zone für Bewohner und Gäste werden, sind Bad und Schlafzimmer künftig stärker abgeschirmt. Trendexperten sagen auch dem Nass- und dem Schlafbereich ein Verschmelzen zur privaten Spa-Oase voraus. Tatsächlich bieten Firmen wie etwa Ruhe & Raum aus Münster mittlerweile Schlafzimmer mit integrierter Luxus-Badewanne an. Doch Einrichtungspraktiker wie die Wohnberaterin Katharina Semling aus Oldenburg sehen das noch als absolute Zukunftsmusik: «Das Bad und Schlafzimmer zusammengelegt sind, sehe ich sehr selten.»

Von Sandra Cantzler, dpa

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